Boston ist nur eine dreistündige Zugfahrt von New York entfernt, doch in der vergangenen Woche schien es so, als sei die Neu-England-Metropole auf einem anderen Planeten.
Während auf den Strassen von Manhattan wegen des Wall-Street-Fiasko Depression und Verängstigung herrschte, schien in Boston die Welt noch in Ordnung. Der Fenway-Park war während der ALCS gegen Tampa Bay ausverkauft, und die Fans feierten ihre Red Sox so unbekümmert, als gäbe es weder den Kursverfall an der Börse noch eine aufkommende Wirtschaftskrise mit unabsehbarem Ausmass. Bis es dann auch die Red Sox erwischte - sportlich jedenfalls. Der Titelverteidiger schied
gegen die Rays 3:4 aus. Was ganz nach meinem Sinn war. ( I hate the BoSox)
Am dramatischsten stellt ist die Lage für die Stadt New York. Gleich drei Mannschaften (Baseball: Mets und Yankees, Basketball: Nets) wollen hier derzeit in neue Stadien umziehen. Es sin allesamt Projekte, die während der fetten Jahre geplant wurden. Nun sind alle drei Bauvorhaben gefährdet. Die Grundsteinlegung für die neue Arena der New Jersey Nets in Brooklyn wurde bereits auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Finanzierung ist durch die Finanzkrise praktisch unmöglich geworden. Die Stadt, die dringend Steuereinnahmen benötigt, zögert dem Bauherrn Bruce Ratner die Ausgabe steuerfreier Bauanleihen zu gestatten. Der geplante Hauptabnehmer der Anleihen, das Bankhaus Goldmann Sachs, ist von der Bankenkrise schwer gebeutelt und will sich zu dem Projekt derzeit nicht äussern. Damit wackelt auch der Verkauf der Namensrechte an die Barclays ank, die ihrerseits durch den Aufkauf von Lehman Brothers belastet ist.
Ob die Citibank ihr $ 300 Mio. Versprechen hält, das neue Baseball Stadion der
Mets in Queens zu bauen, bezweifeln die Experten ebenfalls. Die Citicorp musste in der vergangenen Woche jedenfalls einen Milliarden-Quartalsverlust. Zum Glück steht das "alte" Shea Stadion gleich daneben und kann noch ein paar Jahre herhalten.
Das neue Yankees Stadion steht zwar schon, die Rückzahlung der Bauanleihen über $ 800 Mio (über CHF 1 Mia.) könnte
Yankees Boss George Steinbrenner jedoch finanziell das Genick brechen. Er muss ja immerhin pro Saison 1/4 dieses Betrages für den
Lohn seiner Spieler aufbringen. Es ginge auch mit weniger wenn man die Club-Payrolls vergleicht. Zum Beispiel: die
Tampa Bay Rays, welche dieses Jahr in den
World Series gegen die
Phillies aus Philadelphia spielen, kommen notabene mit 4.8x weniger oder 21 % der Lohnsumme welche A-Rod, Jeter und Co. kassieren aus. Sogar die Phillies kommen mit weniger als der Hälfte aus.
Da bei meinem Lieblingssport Baseball bekanntlich ohne Statistiken nichts geht, liefere ich euch hier noch eine andere Hochrechnung was den Lohn von
A-Rod betrifft. Gemäss seinen Stats kassierte er im 2008:
$ 195'652 pro game played
$ 52'941 pro at bat
$ 259'615 pro run
$ 175'324 pro hit
$ 771'428 pro home run
$ 262'135 pro run batted in (RBI)
und las but not least: $ 230'769 pro strike out... In NY ist halt alles ein bisschen teurer... just crazy!
Im Vertrauen auf den Fortbestand eines hochpreisigen Marktes hat er die neue Arena ganz auf Luxus-Suiten ausgelegt. Bis zu $ 800.000 pro Saison sollen diese kosten. Jetzt hat der US-Kongress auch noch gegen die Yankees eine Untersuchung eingeleitet. Steinbrenner und die Stadt New York sollen das Stadion überbewertet haben, um mehr steuerfreie Anleihen ausgeben zu können. Deshalb soll den Anleihen jetzt die Steuerbefreiung wieder entzogen werden. Was auch ganz nach meinem Sinn wäre. (I hate the Yankees).
Die Nets, die sich darauf eingerichtet haben, in ihrer abgehalfterten Halle zwischen zwei Autobahnen in New Jersey zu bleiben, verteilen derweil Saisonkarten auf Pump – die Fans müssen erst am Ende des Jahres zahlen. Nur so glauben die Nets, die Ränge noch einigermassen voll zu kriegen. An Luxusboxen denkt hier, nur 15 Kilometer von der Wall Street entfernt, kein Mensch mehr.
Die Yankees am Boden... wie treffend für diese Saison, für diese Stadt, für dieses Land